Tag 11-16 / Meile 179-266: No sound but the wind

„The kiss of the snow
The crescent moon above us
Our blood is cold
And we’re alone
But I’m alone with you.“
Editors
So viel vorweg: Es wird windig. Bevor es nach Idyllwild geht, verabschieden wir uns von Jamie, der hier in der Nähe wohnt und zwei Zero Days einlegt. Er holt uns später wieder ein. Josee, Lea und ich teilen uns ein Zimmer in einem kleinen Hotel und gehen erst einmal ausgiebig duschen. Am nächsten Tag bereiten wir unsere Resupplies vor. Ich kaufe außerdem neue Schuhe, die mir hoffentlich weniger Blasen verursachen. Wir gehen früh ins Bett, denn Josee und ich nehmen am nächsten Tag einen kleinen Umweg, um den San Jacinto Peak zu besteigen, 3304 m. Da wollen wir gut erholt sein.
Die Hilfsbereitschaft gegenüber uns Hikern ist unglaublich! Eine Mitarbeiterin unseres Hotels fährt uns drei zurück zum Trail. Wir nehmen die „Devils Slide“, einer der Zuwege zum PCT. Es ist ein steiler Anstieg, aber wir sind alle fit und meine neuen Schuhe super bequem! Zum Glück. Schnell sind wir oben und trennen uns von Lea, die am anderen Ende des Berges auf uns warten wird. Der Anstieg zum Gipfel ist schön und die Aussicht oben noch schöner. So weit oben war ich noch nie!

Mit Lea zusammen machen wir uns auf durch die schönsten Landschaften mit Nadelbäumen und großen Felsen. Weil ich auf „Toilette“ muss, lasse ich die beiden vorgehen. Und dann passiert es: Ich stolpere über meine eigenen Füße und lande mit dem Gesicht auf den Boden. Wegen der Trekkingstöcke konnte ich mich nicht abstützen. Ich brauche eine Weile bis ich mich wieder fange. Das hätte auch schief gehen können. Keine 40 cm weiter hinten ragten Steine aus dem Boden. Da muss ein Schutzengel aufgepasst haben.

Am nächsten Tag wache ich zu einem wunderschönen Sonnenaufgang auf. Heute geht es sehr lange bergab. Ich erinnere mich, dass bei Meile 202 vor aggressiven Bienen gewarnt wird und kaum bin ich dort angekommen, attackieren sie mich auch tatsächlich. Eine Biene fliegt immer wieder in mein Gesicht und dann spüre ich auch schon das Stechen unter meinem linken Auge. Mistvieh. Ich renne weg, weil ich merke, dass noch mehr Bienen in der Gegend sind. Vorsichtig ziehe ich den Stachel heraus, laufe noch ein paar hundert Meter weiter und desinfiziere den Stich mit Teebaumöl. Zum Glück bin ich nicht allergisch. Bei Meile 205 treffe ich Lea und Josee wieder. Nach der Mittagspause ziehen wir zu dritt weiter.

Es folgt eine lange Passage über eine flache Ebene, die super windig ist. Es stürmt so, dass wir manchmal anhalten und uns gegen den Wind stellen müssen, während der Sand uns die Beine glatt schmirgelt. Plötzlich sehe ich eine Klapperschlange. Wir halten alle still und machen einen großen Bogen.

Nach weiteren vier Meilen kommen wir endlich unter eine Brücke, wo es etwas windstill ist. Jemand hat Hotdogs und kalte Cola hier hergebracht. Danke! Wir ziehen weiter und begegnen Trail Angel „Storming Norman“, 82 Jahre alt, der uns Snacks und Getränke schenkt. Trail Magic ist wirklich das Beste! Wir schlagen unser Camp bei einer Windfarm auf – in einer Kuhle unter einem Dach – und hoffen, dass der Wind uns hier weniger belästigt. Es wird nicht gemütlich aber die Campspots in dieser Gegend sind rar.
Und da taufen Josee und Lea mich mit meinen Trailnamen: Icebear. Das hat viele Gründe: ICEland und meine BÄRencap zum einen. Und weil ich in der Wüste oft von meinem “inner polarbear” gesprochen habe, anfangs aber vergessen hatte, was das richtige Wort für Eisbär ist und immer “icebear“ gesagt habe. Jetzt bin ich ein richtiger PCT-Hiker!

Am nächsten Tag wachen wir um 5:30 Uhr auf, weil die Windfarm um 6 Uhr öffnet. Und tatsächlich lassen uns die netten Arbeiter herein, bieten uns heißen Kakao an, wir dürfen die Toiletten benutzen und uns gegen ein wenig Geld ein Sandwich in der Mikrowelle aufwärmen. Super nett. Wir brechen um 7 Uhr gemeinsam auf, aber laufen schon bald separat. Es geht hoch und runter, hoch und runter. Aber irgendwie läuft es ganz gut.

Um 12 Uhr haben wir bereits 13 Meilen gemacht und pausieren an einem kleinen Bach, in den wir unsere Füße stecken. Das tut gut! Hier bekommt Josee ihren Trailnamen. Weil sie bei ungefähr jeder Pflanze anhält, ein Foto macht und sie mittels einer App bestimmt, heißt sie jetzt „Flora“. Jamie habe ich bereits vor einigen Tagen „Chef“ getauft, weil er jeden Abend ausgiebig kocht und in seinem Kocher sogar schon einen Muffin gebacken hat! Jetzt fehlt nur noch ein Name für Lea.
Die letzten 2,5 Meilen des Tages wandern wir gemeinsam. Es wird höher und kälter, deswegen verkrümeln wir uns bald in unsere Zelte. In der Nacht und am nächsten Tag bleibt es frisch. Da es heute schneien soll, wollen wir lieber zusammen laufen. Es geht eine ganze Weile bergauf, bis auf ca. 2500-2700 m und dann fängt es tatsächlich an. Erst wenig und dann immer mehr.

Zur Mittagspause retten wir uns in eine verlassene Hütte. Wir frieren alle, doch zum Glück kommt die Sonne wieder und wärmt uns bald auf. Ab jetzt geht es wieder bergab. Wir begegnen fast Niemandem, bis wir an unserem Zeltplatz im Wald ankommen. Hier zelten noch drei weitere PCT-Hiker. Am nächsten Morgen wache ich auf und mein Zelt ist schneebedeckt. Ich mache meinem Namen mal wieder alle Ehre: Everywhere you go, always take the weather with you!

Schnell packen wir zusammen und ziehen los, denn es ist kalt! Wir schaffen 10 Meilen in dreieinhalb Stunden. An der Straße nach Big Bear Lake wartet tatsächlich Trail Angel „Sangria“ mit heißem Tee und Kakao auf uns. Sie fährt uns direkt zu unserem Hostel, denn wir brauchen neue Nahrung.
Mittlerweile sind wir richtig fit. Meine Blasenzeit ist vorbei und 20 Meilen am Tag sind für uns keine große Sache mehr. Aber wir essen auch mehr. Ständig befeuern wir unseren Körper mit Energieriegeln und allem, was essbar ist. Ich bin gespannt wie das weiter geht...

Hier gibt’s übrigens ein kleines YouTube Video, das ich gebastelt habe: youtu.be/CGpfL1ZvJfA


5 Gedanken zu “Tag 11-16 / Meile 179-266: No sound but the wind

    1. Hey! Ich hatte vorher die Lasportiva Ultra Raptor und nun den Wildcat. Insgesamt vier Nummern größer als meine Straßenschuhe! Dafür trage ich aber Injinji Liner Socks und darüber die Light Cushioned Darn Toughs.

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