Tag 17-21 / Meile 267-369: Far behind

My shadow runs with me
underneath the big wide sun.
My shadow comes with me
as we leave it all
we leave it all far behind.“

Eddie Vedder

So langsam wird das Leben auf dem Trail Gewohnheit: laufen, essen, schlafen. Die PCT App nach Weg, Steigung und Campmöglichkeiten checken, auf dem Waterreport schauen, wo es Wasser gibt, Essen für den Tag einteilen. Noch immer bin ich begeistert, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen hier sind. Wir starten aus Big Bear Lake per Anhalter und nach nur kurzer Zeit fährt uns Eddie bis zum Trailhead, auch wenn er dort gar nicht hin muss. Er freut sich einfach PCT-Hiker getroffen zu haben und möchte am Ende sogar ein Foto mit uns machen, um es seiner Frau zeigen zu können.

Und schon ziehen wir wieder in die Wälder. Anfangs ist es immer etwas komisch, wenn man aus der Stadt kommt, mit sauberen Klamotten, die man am liebsten nicht dreckig machen will. Doch das ändert sich schnell, spätestens nach dem ersten Anstieg, bei dem ich wieder alles voll schwitze. Das gute Wetter ist zurück und ich wandere schon bald wieder in Shorts. Auch die schönen Landschaften nehmen kein Ende.

Die nächsten Tage wandere ich entlang des Deep Creek Canyon, ein kleiner Fluss, der sich durch die Wüste zieht. Das ist Luxus, denn ich kann immer wieder mein Wasser auffüllen und muss nicht so viel schleppen. Außerdem kann man prima seine Füße im kalten Wasser baden. Lea (die mittlerweile Cheerio heißt), Josee und ich haben uns super eingespielt. Wir wandern meist für uns alleine, treffen uns zur Mittagspause und dann wieder für die letzten Meilen des Tages, bevor wir zusammen irgendwo unsere Zelte aufschlagen.

Am dritten Tag nach Big Bear stehen wir früh auf. Nach zwei Meilen erreichen wir die Deep Creek Hot Springs, heiße Quellen, wie ich sie sonst nur aus Island kenne. Wir haben Glück: So früh am Morgen sind kaum Leute hier und wir haben einen ganzen Hot Pot für uns. Da baden wir nun drin und schauen uns den Sonnenaufgang in den Bergen an. Ein super Start in den Tag!

Dann geht es weiter, bis wir den Canyon verlassen. Es geht durch eine weniger schöne Gegend und an einer Straße entlang. Doch die nächste Überraschung ist nicht weit: Nach einem anstrengenden Aufstieg in der Nachmittagshitze erscheint der Silverwood Lake, ein großer Badesee, der auch von Einheimischen gerne genutzt wird. Wir bleiben heute Abend an einer kleinen Bucht mit einer Picnic Area und kühlen uns im eiskalten Wasser ab. Gerade als wir unsere Gaskocher auspacken, um uns ein Fertigessen zu machen, schaut uns die Familie vom Nachbartisch an. Sie wollen wissen, wohin wir wandern und machen große Augen, als sie hören, dass wir von Mexiko nach Kanada unterwegs sind. Keine fünf Minuten später haben wir frisch gegrilltes Fleisch und einen Haufen Tortillas vor uns. Wieder einmal super nette Menschen!

Am nächsten Morgen ziehen wir wieder früh los, denn es ist super angenehm schon ein paar Meilen in den kühleren Morgenstunden zu machen. Wir machen mittlerweile über 20 Meilen pro Tag und gönnen uns immer eine lange Mittagspause irgendwo im Schatten. Heute beeilen wir uns besonders, denn wir kommen am einzigen McDonalds am PCT vorbei! Ja, über sowas freut man sich nur als Hiker – der halbe Laden ist voll mit uns. Bis 12 Uhr habe ich schon 16 Meilen hinter mir und freue mich über ein großes BicMac Menü, Eis zum Nachtisch und die Tatsache, dass wir Getränke hier kostenlos nachfüllen können.

Es geht weiter unter einer Autobahn hindurch, über Bahngleise und zurück in die weite Wüste. Zwischen dem McDonalds und dem nächsten Ort Wrightwood gibt es für 25 Meilen keine zuverlässige Wasserquelle. Wir schleppen also 6 Liter mit und ächzen unter dem Gewicht. Nach 5 Meilen beglückt uns jedoch Trail Angel „Chance“ mit kalter Cola, Obst und Nachos. Das nehmen wir dankend an, denn jetzt folgt zusätzlich noch ein 20 Meilen langer Anstieg in die Berge.

Wir zelten nach zwei Meilen und verschieben den weiteren Anstieg auf den nächsten Tag. 20 Meilen bis Wrightwood, 20 Meilen bis zum nächsten Zero Day. Das schaffe ich. Dennoch muss ich immer wieder anhalten, um die unglaublichen Aussichten zu fotografieren. Ich kann mich daran nicht satt sehen!

Um 15 Uhr erreichen wir den Highway und müssen ca. eine halbe Stunde auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Doch dann nehmen uns zwei nette Frauen mit und fahren uns sogar bis zu unserer Lodge, in der wir ein Zimmer für zwei Nächte haben. Meine Füße sind platt und ich freue mich auf eine Dusche und einen ganzen Tag im Bett!

Hier ist mein Video der letzten Tage: youtu.be/xAXlFZW78Lg


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