Tag 22-27 / Meile 370-455: Up and Down

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Vengaboys

Nach unserem wohlverdienten Zero Day in Wrightwood zieht es uns wieder in die Wälder. Eine Mitfahrgelegenheit ist schnell gefunden und schon befinden wir uns wieder auf dem Trail. Ab jetzt gibt es ein ständiges rauf und runter, doch erstmal geht’s rauf zum Mount Baden-Powell, 2.867 m, der nach dem Gründer der Pfadfinder benannt ist.

Und ich bin mal wieder von den Aussichten begeistert. Wir wandern durch eine Art Wald, der aber so trocken ist, dass die Bäume nicht so dicht stehen, wie man es aus Europa gewöhnt ist. Also ist es gleichzeitig sonnig – und einfach wunderschön.

Die Trockenheit bringt Schwierigkeiten mit sich. Wir passieren pro Tag eine, vielleicht zwei Wasserstellen und ächzen unter dem Gewicht unserer Rucksäcke, die außerdem Essen für fünf Tage beinhalten. Warum hat eigentlich noch Niemand „Ultraleicht-Wasser“ erfunden? Aufgrund des akuten Mangels wird jegliche Wasserverwendung gleich doppelt überdacht. Waschen? Besser nicht. Doch ich habe herausgefunden, dass Dreck ein super Sonnenschutz ist und lasse meine Beine nun natürlich braun werden 😉

Händewaschen ist nicht!

Wir hangeln uns also von Wasserstelle zu Wasserstelle. Dank des PCT Waterreports sind wir immer informiert, wo es das „Hikergold“ gibt. Die meisten Bäche sind um diese Jahreszeit nämlich bereits ausgetrocknet. Ansonsten geht es rauf und runter, rauf und runter. Abends fallen wir erschöpft in unsere Schlafsäcke.

Heute mal „oben ohne“

Unser nächstes Ziel: Hikerheaven. In dem kleinen Ort Agua Dulce stellen zwei Trail Angel ihren Garten und ein kleines Häuschen für uns Hiker zur Verfügung. Doch der Abstieg bis dahin hat es in sich: 2100 Meter müssen wir runter. Ich trete fast auf eine Baby-Klapperschlange, deren Rassel noch so leise ist, dass ich sie nicht höre. Außerdem müssen wir nach „Poodle Dog Bush“ Ausschau halten, dessen Berührung starke Verätzung verursacht.

Der Trail ist teilweise so bewachsen, dass ich meine Trekkingstöcke nicht benutzen kann – und meine Knie melden sich zu Wort. Doch der Trail überrascht immer wieder: Vor einem sehr langen Abschnitt ohne Wasser warten „Gaia“ und „Docent“ mit Trail Magic auf uns: Cookies und Erdbeeren!

In der letzten Nacht vor Agua Dulce zelten wir mitten in der Wüste. Gegen zwei Uhr morgens wache ich auf: Ich höre die Kojoten heulen. Sind die gefährlich?, frage ich mich, beantworte mir die Frage mit „Nein“ und schiebe meine Ohrstöpsel tiefer ins Ohr. Zehn Minuten später wache ich wieder auf. „Denise!“ Es ist Josee. „Ich habe ein bisschen Angst.“ – „Wegen der Kojoten?“, frage ich. „Die machen nichts.“ Ich sollte Recht behalten.

Doch als ich am nächsten Tag loslaufen möchte, merke ich schnell: Meine Knie streiken heute. Der Anlaufschmerz geht normalerweise nach ein, zwei Minuten weg. Heute dauert er ganze 15 Minuten, die ich durch die Gegend humpel. Weil ich so komisch laufe, verkrampft sich bald mein ganzer rechter Oberschenkel. Zum Glück machen wir heute nur knappe neun Meilen. Ich muss dringend meine Füße hochlegen. Mit letzter Kraft erreiche ich um 10 Uhr morgens Hikerheaven – ein kleines Hippie-Paradies mit freilaufenden Hunden und Hühnern, die neugierig ihre Köpfe in die aufgeschlagenen Zelte stecken. Ich dusche, wasche meine Wäsche und entspanne meine Beine. Hoffentlich ist dieses Problem nur von kurzer Dauer!


Ein Gedanke zu “Tag 22-27 / Meile 370-455: Up and Down

  1. Es ist immer wieder sehr spannend deine Berichte zu verfolgen! Vieles kann ich aufgrund meiner eigenen Wanderung München – Venedig sehr gut nachvollziehen. Vor allem den Kontrast zwischen den großen körperlichen Anstrengungen und im Gegensatz dazu die immer wieder faszinierende Landschaft trotzdem in vollen Zügen genießen zu können. Und tolle Landschaften erlebst du bis jetzt schon wahrlich reichlich! Und es werden noch viele weitere folgen!
    Gönne deinen Beinen die notwendige Erholung – sie haben es sich verdient!
    Weiterhin gutes Gelingen!!!
    Christoph Stelzer

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