Tag 34-42 / Meile 567-702: Lit a fire

„I’ve been through the desert, I’ve been across the sea. I’ve been wandering through the mountains, wandering through the trees…“

Lord Huron

Man denkt vielleicht, dass wir Hiker an einem Zero Day nur faulenzen, aber das ist weit gefehlt. Die ganze Vorbereitung für die nächsten Tage nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Einkaufen ist eine Mammutaufgabe, denn wir müssen nicht nur darauf achten, genug Mahlzeiten für genug Tage zu holen, sondern auch, dass sie möglichst viele Kalorien bei möglichst geringem Gewicht haben. Dazu kommen Überlegungen wie: Habe ich noch genug Zahnpasta? Reicht mein Klopapier für die nächste Strecke? Und wenn dann alles zusammen gesucht und zurück ins Hotel geschleppt ist, muss es ausgepackt und „trailfertig“ vorbereitet werden. Dann müssen wir unsere Wäsche waschen, Töpfe spülen, Socken stopfen… und wenn dann noch Zeit ist, können wir vielleicht einen Mittagsschlaf halten… Dennoch: Der Tag in Tehachapi war entspannend und nach einem zweiten Frühstück in der „German Bakery“ geht es zurück zum Trail. Ich habe mein schmerzendes Knie mit KTape versorgt. Mit vier Litern Wasser und mindestens fünf Kilo Essen laufen wir nur entspannte sieben Meilen und freuen uns, dass wir den ersten Anstieg somit schon hinter uns haben.

Am nächsten Tag geht es weiter durch waldiges aber extrem trockenes Gebiet. Das Hangeln von Wasserstelle zu Wasserstelle geht weiter. Dort angekommen trinken wir meist ein bis zwei Liter, um weniger mitnehmen zu müssen. Leider müssen wir kurz darauf immer anhalten, um das Wasser wieder loszuwerden… 😉

Ich bin verliebt in die Landschaft. Sobald wir eine Meile von der Straße weg sind, sehen und hören wir tagelang kein Auto mehr. Die Aussichten sind grandios, alles ist weit, weit, weit. Eichhörnchen, Kaninchen und Eidechsen huschen andauernd über den Trail, Vögel zwitschern, Bienen summen. Es ist so viel los in der Natur! Auch in der Wüste. Nach zwei Tagen wird es wieder kahler, Joshua Trees säumen den Trail. Ansonsten gibt es nur ein paar trockene Büsche und viel, viel Sonne. Wir starten unseren Tag meistens schon um kurz nach sechs, eine Stunde später läuft mir bereits der Schweiß von der Stirn. Die Wüste ist anstrengend – aber belohnt uns auch immer wieder mit ihrer Schönheit.

Es geht wieder bergauf und wird grüner. Eine gute Nachricht: Mein Knie hat aufgehört zu schmerzen! Fünf Tage nach Tehachapi erreichen wir Walker Pass und fahren ganze 35 Meilen per Anhalter zum nächsten Ort: Lake Isabella. Hier bleiben wir zwei Nächte auf einem Campingplatz, denn Lea hat Probleme mit ihrem Fuß – und wir erreichen bald die noch schneebedeckten High Sierras. Wir haben also keine Eile und geben der Sonne noch etwas Zeit den Schnee für uns aus dem Weg zu räumen. Nach einem Tag mit Einkauf, Essen und Netflix geht’s zurück zum Trail. Art ist so nett und nimmt uns mit, fährt uns bis zum Trail, wo er gar nicht hin muss und gibt am Ende sogar eine Runde Energieriegel aus. Voller Energie geht’s also weiter Richtung Kennedy Meadows – dem Ausgangspunkt für die High Sierras.

So langsam sieht man, wie die Landschaft sich verändert. Die Wüste, also Teil 1 des PCT, ist bald geschafft. Man sagt, dass dieser Abschnitt der zweitschwerste des ganzen Trails ist. Er wird nur getoppt von den Sierras – und die folgen nun. Egal wo man andere Hiker trifft, überall hört man von Plänen, Aussichten und Koniditionen im Hochgebirge. Vorfreude und Nervosität liegen in der Luft.

Ehe ich mich versehe, laufe ich also in Kennedy Meadows ein – und die gesamte Hikermenge, die hier auf der Terrasse des General Stores sitzt, applaudiert. Und ich freue mich. Teil 1 des PCT, die Wüste, 702 Meilen und 1130 km sind geschafft. Ich bin bereit für die High Sierras!

Hier ist das Video der letzten Tage: https://youtu.be/WjRlPJRCj9U


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